Die Reichen bestehlen, um den Armen zu helfen. Dieses romantisierte Bild kennen wir vom englischen Volkshelden Robin Hood. In der bayerischen Geschichte gibt es auch einen Mann, der gerne mit Robin Hood verglichen wird. Sein Name: Matthias Klostermayr, oder „bayerischer Hiasl“, doch der Vergleich hinkt, wie seine Lebensgeschichte zeigt.
Zur Welt kommt Matthias Klostermayr 1736 in Kissing bei Augsburg. Schon als Kind arbeitet er in einem Kloster, verliert die Anstellung aber. Danach arbeitet er als Knecht auf einem Hof, verliebt sich in die Tochter des Bauern, doch als Schwiegersohn kommt er nicht in Frage, obwohl seine Geliebte ein Kind von ihm erwartet. Als er 25 Jahre alt ist, muss er den Hof verlassen. Mangels Alternativen landet Matthias bei der Wilderei und damit in der Gesetzlosigkeit. Schon seit dem Mittelalter ist die Jagd ein Privileg des Adels. Die Jagd auf Wild wird unter Strafe gestellt - fatal, vor allem für die Bauern. Um den Wildbestand zu kontrollieren, setzen Adlige Forstbeamte und Aufseher ein. Schlechte Ernten und der Option beraubt, durch die Jagd leere Mägen zu füllen sorgen dafür, dass die Bevölkerung die Maßnahmen des Adels als ungerecht empfindet. Wilderer dagegen, haben oft ein gutes Image.
Aber: Nicht jeder offizielle Forstbeamte oder Aufseher war ein Unmensch und nicht jeder Wilderer ein angenehmer Zeitgenosse. Viele waren üble Verbrecher und ein Menschenleben war ihnen nichts wert. Auch bei Matthias Klostermayr täuscht sein Image darüber hinweg, dass er auch Unschuldige auf dem Gewissen hat.
Inzwischen ist er Hauptmann einer Räuberbande: Er überfällt Amtstuben und andere öffentliche Einrichtungen und erpresst Steuereinnahmen. Sein guter Ruf im Volk rührt daher, dass er seine Beute oft mit den Menschen teilt. Aber auf sein Konto geht das Leben von neuen Menschen, die bei seinen Raubzügen getötet werden. Die Obrigkeit hat ihn auf dem Schirm und versucht ihn zu schnappen, was 1770 gelingt. Klostermayr wird in Dillingen im Gasthof zur Post gestellt. Am 6. September 1771 wird ihm der Prozess gemacht und er wird zum Tode verurteilt.
Das Urteil wird noch am gleichen Tag vollstreckt. Auch wenn Matthias Klostermayr ein Krimineller war, der eine Strafe sicher verdient hatte- so bleibt er dem Volk als Held in Erinnerung. Lieder, Gedichte und sogar Theaterstücke entstehen rund um ihn. Er wird der „bayerische Robin Hood“ und auch wenn die Obrigkeit ihn wirklich vernichten wollten, ist er doch am Ende unsterblich geworden.