Stockholm, 11. Dezember: „Der Friedensnobelpreis wurde der Freifrau Bertha von Suttner zugesprochen“ heißt es kurz und knapp in der Coburger Zeitung vom 12.12.1905. Auf diesen Preis hat Bertha länger gewartet, als der Erfinder Alfred Nobel es eigentlich geplant hatte. Wäre es nach ihm gegangen, wäre sie 1901 die erste Preisträgerin gewesen. Bertha von Suttner hat für die Friedensbewegung eine große Rolle gespielt und außerdem hat sie Nobel überhaupt erst dazu inspiriert, den Preis zu vergeben. Diese Info war damals nirgendwo in der Zeitung zu lesen.
Mit mangelnder Wertschätzung von Seiten der Presse, kennt sich Bertha von Suttner bestens aus. Aber Bertha ist stabil - sie musste in ihrem Leben schon viele Rückschläge einstecken. Ihren Vater hat sie nie kennen gelernt. Als sie am 9. Juni 1843 in Prag zur Welt kommt, ist er bereits tot. Sie erbt von ihm einen Adelstitel, aber der öffnet ihre keine Türen, da ihre Mutter nicht adeliger Abstammung ist. Als Teenager und junge Frau ist für Bertha noch genug Geld für ihre Ausbildung und Reisen da, doch das ist irgendwann alle - unter anderem auch, weil ihre Mutter nicht die Finger vom Spielen lassen kann.
Bertha braucht also dringend einen Job und den findet sie 1873 als Gouvernante bei der Familie „von Suttner“ in Wien. Es läuft gut, mit den Kindern der Suttners. Was Sohn Arthur angeht, etwas zu gut: Bertha und der sieben Jahre jüngere Arthur verlieben sich unsterblich ineinander. Als die Familie dahinter kommt, wird Bertha entlassen.
Allerdings sind die von Suttners so fair, Bertha einen Job zu besorgen, weit weg von Arthur in Paris. Ihr neuer Auftraggeber heißt: Alfred Nobel. Nobel ist zu dem Zeitpunkt 43 Jahre alt, steinreich, kinderlos und Single. Bertha ist auch Single- aber mit ihren 33 Jahren gilt sie als „alte Jungfer“ - mit ein Grund übrigens, warum die Suttners sie nicht als Schwiegertochter wollten. Alfred Nobel ist dagegen begeistert von Bertha. Über ihn kommt Bertha so richtig mit dem Pazifismus in Berührung und begeisterst sich für die Friedensbewegung. Nobel findet Bertha nicht nur intellektuell anziehend, sondern auch als Frau.
Doch ihr Herz gehört Arthur von Suttner. Nach nur zwei Wochen schmeißt sie in Paris hin und kehrt zurück nach Wien. Mit Nobel bleibt sie trotzdem in freundschaftlichem Kontakt. Regelmäßig tauschen sich die beiden in den folgenden Jahren aus. Bertha inspiriert ihn dann auch zu der Stiftung, die wir heute als Nobelpreis kennen. Zurück in Wien, heiraten Arthur und Bertha am 12. Juni 1876. Die beiden haben sich endlich wieder- aber ansonsten haben sie nichts. Arthur von Suttner wird von seiner Familie enterbt. Das Paar geht nach Georgien. Bertha und Artur halten sich als Journalisten über Wasser.
1885 kann endlich der Streit mit Arthurs Familie beendet werden. Bertha und ihr Mann ziehen ins Familienschloss der von Suttners in Niederösterreich. In Österreich arbeitet sie weiter als Journalistin - ihr Lieblingsthema: der Pazifismus. 1889 bringt sie den Roman „Die Waffen nieder!“ raus. Es ist die Geschichte einer Frau, die die Schrecken und Folgen des Krieges hautnah miterleben muss. 3 Mit diesem Roman trifft Bertha absolut den Zeitgeist: Krieg und Militarismus spalten damals die Gesellschaft. Außerdem spielt auch das Selbstverständnis der Frau eine Rolle.
In einer Zeit, in der die Emanzipation erwacht, ist das auch ein Grund warum das Buch so populär ist. Emanzipation und Friedensbewegung sind Berthas Motor und der läuft ununterbrochen. Sie wird zur Galionsfigur der Friedensbewegung und bleibt bis zu ihrem Tod am 21. Juni 1914 in Wien aktiv.
Oft zitiert
Bertha von Suttner nimmt im Lauf ihres Lebens an vielen Friedenskonferenzen teil. Sie trifft Staatsoberhäuter und Monarchen der Zeit und wird nicht müde, sich für den Frieden einzusetzen. Sie ahnt, dass Europa auf einen großen Krieg zusteuert und warnt vor der Zerstörungsmacht von Massenvernichtungswaffen. Vor allem ein Satz von Bertha von Suttner wird immer noch oft zitiert:
„Rache und immer wieder Rache! Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden.“