
Übersetzt auf Deutsch heißt Ancien Régime „Alter Staat“. Gemeint ist damit ursprünglich die (absolutistische) Herrschaft der Bourbonen in Frankreich. Im weitesten Sinn gilt die Bezeichnung aber auch für ganz Europa vor der Französischen Revolution.
Erster Bourbonen-König war Heinrich IV. (*1553-1610︎♰). Er legt den Grundstein für die rund 200 Jahre dauernde Herrschaft des Adelshauses. Als Inbegriff des absolutistischen Herrschers gilt Ludwig XIV (*1638-1715♰), auch bekannt als „Sonnenkönig“. Sein verschwenderischer Lebensstil - er baute z.B. das Schloss Versailles - und seine aggressive Expansionspolitik, verschlingen Unsummen und Frankreich schreibt tief rote Zahlen. Außerdem lässt er, als Erzkatholik Protestanten im Land verfolgen.
Sein Tod 1715 sorgt in Frankreich für eine Wende: Der Absolutismus wird schwächer, die Verfolgung der Protestanten geht zurück und: die Ideen der Aufklärung verbreiten sich auch in Frankreich. Mitte des 18. Jahrhunderts bricht der Siebenjährige Krieg (1756-1763) aus. Alle europäischen Großmächte der Zeit kämpfen um Territorien in Europa, Afrika, Indien und Nordamerika. Die Kriegsführung ist kostspielig und Frankreich steht kurz vorm Staatsbankrott.
Um den abzuwenden, ruft der letzte französische König des Ancien Régime, Ludwig XVI., zum ersten Mal seit 175 Jahren, die Generalstände ein. Er will sich neue Steuern bewilligen zu lassen. Die Stände bestehen aus Vertretern von Klerus, Adel und dem Dritten Stand. Vor allem letztere erkennen schnell, dass die erhoffte, politische Mitbestimmung nicht zur Debatte steht. Also erklären sie sich am 17. Juni 1789 zur Nationalversammlung.
Die Abgeordneten des Dritten Standes leisten am 20. Juni 1789 bei der Generalstandsversammlung den Ballhausschwur. Der besagt, dass sie Versailles erst verlassen, wenn Frankreich eine Verfassung hat. Die Versammlung findet im Ballhaus von Versailles statt, deswegen Ballhausschwur. Nationalversammlung und Ballhausschwur leiten die Französische Revolution ein.
