
„Wenn die Königin Luise zu Beginn der Verhandlungen nach Tilsit gekommen wäre, würde sie größeren Einfluss auf das Ereignis gehabt haben. Glücklicherweise kam sie erst an, als die Verhandlungen schon weit vorgeschritten waren, so dass ich in 24 Stunden den Vertrag abschließen konnte.“
Dieser Worte stammen von Napoleon Bonaparte höchstpersönlich. Er bezieht sich auf die Verhandlungen des Friedens von Tilsit, im Juli 1807. Glücklich über Luises verspätetes Erscheinen war Napoleon deshalb, weil er im Einzelgespräch mit der charmanten Königin fast Zugeständnisse gemacht hätte. Das Eintreffen von Luises Ehemann, König Friedrich Wilhelm III. hat das aber verhindert. Napoleon hatte die preußische Königin im Vorfeld als "Kriegstreiberin" beschimpft, weil sie ihren Mann Friedrich, den König von Preußen dazu ermutigt hatte, gegen Frankreich ins Feld zu ziehen.
Für Luise war Napoleon vor dem Treffen dagegen ein Monster. In dem einstündigen Gespräch zwischen beiden müssen sie jeweils feststellen, dass sie sich beide im Gegenüber getäuscht haben. Als Napoleon Luise fragt, wie Preußen so unvorsichtig sein konnte, antwortet sie: „Der Ruhm Friedrichs des Großen hat uns über unsere Mittel getäuscht.“
Preußen hatte sich tatsächlich über seine Stärke getäuscht. Frankreich hatte zuvor die Armee von König Friedrich Wilhelm III. in der Schlacht von Jena und Auerstedt 1806 vernichtend geschlagen.
Der Waffenstillstand wird 1807 in Tilsit verhandelt. Obwohl Luise Napoleon fast zu Zugeständnissen bewegt hätte, fallen seine Bedingungen hart aus: Preußen verliert die Hälfte seiner Gebiete und muss hohe Reparationen zahlen. Luise wird bei Napoleon trotzdem einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
