Übersetzt auf Deutsch heißt Ancien Régime „Alter Staat“. Gemeint ist damit ursprünglich die (absolutistische) Herrschaft der Bourbonen in Frankreich. Im weitesten Sinn gilt die Bezeichnung aber auch für ganz Europa vor der Französischen Revolution.
Absolutismus im 19. Jahrhundert? Nicht mit dem französischen Bürgertum!
Ludwig XIV.
„L‘état c‘est moi!“ - „Der Staat bin ich!“ Der Ausspruch wird dem französischen König Ludwig XIV. zugeschrieben und beschreibt hervorragend den Absolutismus. Ludwig wird schon als Kind König und sitzt danach 70 Jahre auf dem Thron - Sonnenkönig, wird er auch gerne genannt.
Zur Welt kommt Ludwig am 5. September 1638 auf Schloss Saint-Germain-en-Laye- in der Nähe von Paris. Da sein Vater früh stirbt, wird er mit 4 Jahren König von Frankreich. Die Regentschaft übernehmen für ihn erstmal seine Mutter Anna von Österreich und der „Leitende Minister“ Jules Mazarin. Der kümmert sich auch um Ludwigs Erziehung.
Als Mazarin 1661 stirbt, übernimmt Ludwig die Amtsgeschäfte. Er will alles wissen, was vor sich geht und er will alle Entscheidungen selbst treffen. Trotz dieses Anspruchs, umgibt er sich mit Ministern und Beratern. Aber das letzte Wort hat natürlich Ludwig.
Das macht aus seiner Sicht Sinn, denn er glaubt, von Gott erwählt worden zu sein (Gottesgnadentum) und damit über allen anderen Menschen zu stehen. Ludwig ist ehrgeizig und führt einige Reformen durch.
So lässt er beispielsweise die Verwaltung zentralisieren. Dem Adel entzieht er politische Rechte, um seinen alleinigen Herrschaftsanspruch zu untermauern. Aber er vollzieht auch den Umbruch Frankreichs, vom Agrarstaat zu einer Industriegesellschaft. Ludwigs Alltag dreht sich aber nicht nur um Staatsgeschäfte.
Der König ist ein Frauenheld, der nichts anbrennen lässt. Außerdem schätzt er eine luxuriösen Lifestyle. Dazu gehört auch eine angemessene Residenz, die er sich in Versailles bauen lässt. Der ganze Hofstaat, muss aus dem Louvre nach Versailles umziehen. Ludwig kann seiner Selbstinszenierung dort weiter nachgehen.
Bei allem Ehrgeiz, verliert der König nach und nach die Bodenhaftung. Seinen Ruhm will er dadurch ausbauen, dass zahlreiche Kriege führt. Das verschlingt Unsummen. Ebenso sein kostspieliger Lebenswandel. Die durch die Reformen erwirtschafteten Summen, sind schnell verprasst.
Als Ludwig XIV. mit 76 Jahren auf Schloss Versailles am 1. September 1715 stirbt, geht es der französischen Bevölkerung so schlecht wie nie zu vor.
„Lever du roi“ - Morgenritual
In Versailles lässt sich Ludwig XIV. regelrecht anbeten. Jeden Tag müssen hunderte Bedienstete dem König ihre Aufwartung bei einem Morgenritual machen. Ist Ludwig einmal nicht in seinen Gemächern, wird dem leeren Zimmer gehuldigt. Na dann..
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